Die Sache mit dem Lesen
Es wird gerade viel diskutiert, über das Lesen. Aber das ist nicht neu, schon seitdem man vor einigen Jahren feststellte, dass die Harry-Potter- Bücher in England dazu beitrugen, die Analphabetenrate zu senken, wird dieses Thema immer wieder diskutiert.
Und nun, seitdem man das coole, wunderschöne, genial beworbene, zum Niederknien schön verpackte ipad in Deutschland kaufen kann, ist die Diskussion erneut entfacht. Print – also Druck- und damit nicht nur die Zeitungen und Magazine, sondern auch Bücher sind vom Aussterben bedroht. Zumindest wird das gemunkelt und vorausgesagt; das ipad und der bereits vorher entwickelte Kindle oder E-Reader seien da nur konsequente Antworten der Unterhaltungsindustrie auf einen immer stärker werdenden Trend. Ist das wirklich so?
Ich mag naiv oder altmodisch, oder schlimmstenfalls sogar beides sein, aber ich kann mir das nur sehr schwer vorstellen. Was gibt es denn Schöneres, als mit einem frischen Kaffee und (wenn es ganz gut läuft) mit einem gut belegten knusprigen Brötchen die Sonntagszeitung zu studieren? Je nach Medium gibt es da entweder eine kurze Übersicht über das aktuelle Geschehen, Hintergründe oder beides. Auch Wochenmagazine, die man mit absichtlich eingefügten Eselsohren zur partiellen Lektüre auf dem Nachtisch hütet, bis die oberen Seiten vergilbt und die neue Ausgabe bereits gekauft ist, sind doch liebgewordene Oasen der Entschleunigung.
Und sein wir mal ehrlich: etwas Friedlicheres, Entspannenderes und Inspirirerenderes als sich in die Tiefen eines mit wundervoll mächtiger und darstellender Sprache geschriebenen Buches zu verlieren und stundenlang aus dem Hier und Jetzt entführt zu werden gibt es doch kaum.
Natürlich, Effizienz und Schnelligkeit, sowie die Schärfe der Bilder, die die neuen digitalen Medien bieten, sind mit Zeitungs- und Fotopapier nicht zu vergleichen. Und wir sind beeindruckt von der Kraft der Bilder, die sich auf unseren Bildschirmen, laptops und ipads ausbreitet und uns gefangen nimmt. Aber Hand auf’s Herz: erlebt man die letzte Urlaubsreise nicht viel eher ein zweites oder drittes Mal, wenn man das gute alte Fotoalbum aufschlägt und sich die sorgfältig einsortierten Papierfotos anschaut? Ich denke, das ist wesentlich reizvoller, als am Laptop, Airbook oder ipad durch die zum Bersten volle Festplatte zu scrollen, um aus den letzten zehn Reisen die richtigen Fotos rauszusuchen. Wetten? Die finden Sie gar nicht …
