Innehalten, Leidenschaft und Uneigentlichkeit
Ein wichtiger Grundsatz des Blickwinkels ist es, sich nicht mit Themen wie Politik, Religion und Ähnlichem zu beschäftigen - zu eingeschränkt ist vorhandenes Hintergrundwissen und zu kontrovers die Meinungen dazu. Jedoch zwingen die Ereignisse der letzten Wochen und Monate zu einem „Blickwinkel-untypischen“ Kommentar: nicht so allgemein wie sonst, jedoch – ganz wichtig – nach wie vor ohne erhobenen Zeigefinger. Aus einer Anzahl von äußerst interessanten Vorträgen, die ich Anfang des Jahres hören durfte, stammen diese drei Begriffe, die gerade ganz gut zu passen scheinen.
Innehalten
Die eben bereits angesprochenen Ereignisse, Naturkatastrophen, neue Krisen- und Kriegsgebiete, sowie gravierende innenpolitische Veränderungen, regen dazu an, innezuhalten. Im wahrsten und buchstäblichsten Sinn des Wortes. Anhalten, nach innen schauen und den Augenblick nutzen, um neu zu bewerten. Es wäre die richtige Zeit für eine Zäsur, in vielen Bereichen. Natürlich findet ein erstes Umdenken statt. Aber es ist zu befürchten, dass dies nur an der Oberfläche und nur zeitweise geschieht. So wie die Bilder des Erdbebens und die des havarierten Atomkraftwerks in Japan in den Nachrichten von anderen schon längst abgelöst wurden.
Eine Zäsur um dann das Wesentliche, das langfristig Richtige, das Wichtige und Faire wieder in den Mittelpunkt des allgemeinen Handelns und Denkens zu stellen.
Uneigentlichkeit
Es stellt sich die Frage, was inzwischen wichtig geworden ist. Uneigentlichkeit beschreibt die vermeintlichen Prioritäten in der heutigen Gesellschaft recht passend. Weit weg vom „Eigentlichen“, in digitalen Netzwerken mit virtuellen Freunden. Dort ist man auf Wunsch anonym, stark, schön,(einfluß-) reich. Und man ist vor allen Dingen sicher vor der Realität.
Leidenschaft
Ohne diese geht es nicht. Und auch hier geht es um die wortwörtliche Bedeutung. Ohne „Leiden“ oder zumindest Einschränkungen, Anstrengung und Verzicht wird sich weder Erfolg einstellen, noch wird man ein Ziel erreichen können. Das wird oft vergessen und besonders in den Medien wird vorgelebt, dass man auch ohne Anstrengung erfolgreich sein kann. Das mag in Ausnahmefällen funktionieren, doch die Regel ist es nicht. Und wer schon einmal Leidenschaft für etwas gespürt und erlebt hat, der weiß, dass es sich durchaus lohnen kann, denn nichts ist motivierender und im Falle des Gelingens, belohnender.
Leidenschaft dafür, sich zu informieren, sich für Dinge zu interessieren, Leidenschaft für Wissen, für eine Meinung, für einen Standpunkt. Leidenschaft auch zum Nachdenken.
